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The winner is: 2. Platz für den Deutsch Grundkurs Q4 beim Wettbewerb der Stiftung PflegeZukunft gestalten

"Schüler machen Science Fiction: Wenn ich einmal alt bin und nicht mehr so kann wie heute"

Anzüge der Performance

Bei einem Schüler ruft das Getragenwerden von allen Ich-Säulen ein freudiges, zuversichtliches Lebensgefühl hervor. Man ist sozusagen im Flow. In dem Maße aber, in dem die Ich-Träger sich entfernen, wächst die Unsicherheit bis hin zur Angst vor dem freien Fall.

Nach dem bitteren Ende, das den Akteur auf so schreckliche Weise mit „erinnere dich!“ bedrängt, ist die einzig sinnvolle Maßnahme, um die negativen Emotionen aufzuheben, eine „Knuddelrunde“ im Anschluss an die Performance.

Die Performance geht über den Körper und das Gefühl. Sie ist ein (entschärftes) Erleben am eigenen Leib, eine Innensicht. Sie ist kein Schauspiel, sondern spontanes Handeln nach wenigen Regeln. Sie lässt viel Platz für Individualität. Die Ergebnisse überraschen. Beispielsweise war nicht geplant, dass die beiden „Restsäulen“ den Akteur von so weit oben derart herunter klatschen lassen!

Der Aufbau der Fessel-Performance ist denkbar reduziert. Die Regel für den Protagonisten lautet: schreibe das Wort ICH auf den Boden, höre nicht damit auf, egal was passiert! Zwei andere Schüler folgen der Anweisung: fesselt ihn/sie, so dass er/sie nicht mehr schreiben kann.

So simpel wie sich das anhört, so eindrucksvoll war es, diese Aktion live zu sehen. Allen Beteiligten ist handelnd und fühlend klar geworden, mit welcher Unerbittlichkeit und Härte Demenz ins Leben greift.

Bezeichnend ist, dass die fesselnden Schüler es einfach nicht übers Herz brachten, wirklich brutal ans Werk zu gehen und den Strick anzuziehen. Dies hätte der Performance vielleicht eine größere Wirkungswucht gegeben – es hat sich aber ein wunderbarer Aspekt des Zwischenmenschlichen an der RKS offenbart, auf den Tanja Leonhard mit einem Lächeln hinweisen möchte.