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Faust mal anders!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einem literarischen Werk zu begegnen. Ganz neue Zugänge zu Goethes Faust eröffnete Schulkünstlerin Tanja Leonhardt einigen Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Projektwoche 2015.

Nach zwei Tagen intensiver Faust Interpretation, hatten wir keine Lust mehr auf graue Theorie. Die Arbeiten zu einer Faust-Schrift-Feuer-Performance-Show begannen.

In eine Gipskartonplatte wurde das „Moralische Gesetz“ (Kant) gemeißelt, dies konnte man dann mit Brennpaste füllen und anzünden. Nur die Buchstaben flackerten in geheimnisvollen blauen Flammen, wie wir im Keller zuvor ausprobierten.

Dann präparierten wir große Papierkreise, hinter denen die Akteure während der Show, live und zu Musik, Sätze aus dem Drama schrieben: Gretchensätze, Faustsätze und Mephistosätze. Dabei wurden sie von hinten mit Fackeln beleuchtet und erschienen so dem Publikum wie Akteure eines Schattentheaters. Wenn zuletzt Mephisto seinen Satz schrieb, wandelte sich die zuvor ruhige, klassische Musik (Gretchenlieder) in moderne Rockmusik. Auch die Beleuchtung änderte sich von gelbem Fackellicht zu dramatisch rotem Bengalofeuer.

Den Abschluss der Show bildete ein dunkler Turm, aus den die Schüler die Namen FAUST und GRETCHEN ausgeschnitten hatten. In dessen Inneren wurden zahlreiche Feuerwerksobjekte entzündet, bis hin zum finalen Glitzervulkan. Dieses Feuerwerk war nur durch die ausgeschnittenen Buchstaben sichtbar.
Feuer, Musik, Schriftzug, die abendliche Atmosphäre, dies alles entzog das Faust-Drama der rationalen Deutung und eröffnete einen emotionalen Zugang, ein Verstehen vor der Interpretation.