Rudolf-Koch-Schule
Gymnasium der Stadt Offenbach

Schloßstr. 50
63065 Offenbach

Stresstest für den Pausenhof – Zum Stehen reicht's

In einer konzertierten Aktion mit der Schillerschule testet die Rudolf-Koch-Schule die Tauglichkeit des Schulentwicklungsplans

Allerdings ist inzwischen so einiges passiert: Räumlich hat sich seit den 70er Jahren viel getan an der RKS. Sporthalle und Parkplatz zwischen Glockengasse und Herrenstraße mussten abgegeben werden, weil das Areal mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut wurde, auf dem Schulhof wurde ein Cafeteria-Gebäude errichtet, um ganztätiges Lernen zu ermöglichen, das Schulgebäude wurde vergrößert, um die Pavillons zu ersetzen, damit Platz für den obligatorischen (Behinderten-)parkplatz und ein kleines Fußballfeld geschaffen werden konnte. Zurzeit findet der Sportunterricht in der Sporthalle der GTS statt – diese lässt allerdings nur eine Nutzung durch zwei Lerngruppen gleichzeitig zu. Dem engagierten Kollegium ist es zu verdanken, dass die Schule nicht nur den deutschen Schulsportpreis (2007) gewann, sondern trotz des stark reduzierten Platzangebots auf dem Schulhof und der schwierigen Sporthallensituation auch das Gütesiegel "Bewegte Schule" trägt.

Aktuell hat die RKS eine dreizügige Mittelstufe und, verstärkt durch die Absolventen der Realschulen und Gesamtschulen, eine siebenzügige Oberstufe, die stark angewählt wird, weil ein attraktives Kursangebot möglich ist. So kann neben Chemie und Physik immer auch Kunst als Leistungskurs angeboten werden – und mit Erfolg: Im Rahmen des hessischen Vorsitzes bei der Kultusministerkonferenz werden im Februar 2019 Gemälde von Rudolf-Koch-Schülern in Berlin ausgestellt.

Nun sorgt sich das Kollegium zusammen mit den Eltern- und Schülervertretungen um die Zukunft der RKS: Was bedeutet die drastische Erweiterung der Mittelstufe von drei auf vier bis sechs Parallelklassen für die Schülerinnen und Schüler, ihre Lernbedingungen und die Bildungschancen?

Der Schulentwicklungsplan sieht vor, dass die Oberstufe der RKS drastisch verkleinert wird: Sie soll nur noch aus der eigenen Mittelstufe gespeist werden, die Schiller-, Mathilden-, Bach-, Ernst-Reuter- und Geschwister-Scholl-Schüler*innen sollen an einer neuen Oberstufe an der Edith-Stein-Schule Abitur machen können. Das bedeutet, dass diese Schüler*innen durch die ganze Stadt fahren müssen, um ihre Schule zu erreichen, dass die erfolgreiche Kooperation zwischen den IGSn, den Realschulen und der RKS Geschichte ist und dass es an der RKS weder einen Kunst- noch einen Physik- oder Chemie-Leistungskurs geben wird.

Und die Raumsituation: Das Gebäude der RKS verkraftet ca. 900 Schüler*innen - der Schulhof mit seiner kontinuierlich stark reduzierten Fläche seit den 70er Jahren maximal 540 Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe. Die Oberstufenschüler verbringen ihre Pausen im Gebäude. Zurzeit sind bereits drei Klassen in Containern an der „Schönen Aussicht“ hinter der Sporthalle untergebracht. Nach dem Ausbau im Sinne des Schulentwicklungsplanes auf 24-36 Klassen der Sekundarstufe I und ca. fünf Klassen der Einführungsphase wird Platz für bis zu 1400 Schüler*innen benötigt. Das Schulamt plant deshalb, weitere Container an der „Schönen Aussicht“ aufzustellen. Leider sind sowohl die Sporthalle – die von der GTS mitgenutzt werden muss – als auch die naturwissenschaftlichen Fachräume bereits jetzt ausgelastet. Dabei sind eine solide naturwissenschaftliche Bildung und Bewegung so wichtig wie nie zuvor.

Last but not least der Pausenhof: Da es an der "Schönen Aussicht" kein passendes Areal gibt, verbringen die Schüler*innen, die in den Containern unterrichtet werden, ihre Pause auf dem Schulhof der RKS. Bietet dieser ausreichend Bewegungsraum für die geplante Entwicklung der RKS?

Um dies zu testen, sammelten sich daher am 17.1.2019 um 12 Uhr die Klassen und Kurse von 5 bis Q3 auf dem Pausenhof der RKS, unterstützt von rund 250 Schülerinnen der Schillerschule bestehend aus den fünften Klassen und fünf zehnten Klassen. Der Stresstest mit insgesamt ca. 1100 Schüler*innen – deutlich weniger, als der Plan vorsieht – hat deutlich gezeigt: Zum Stehen reicht der Platz gerade – an Bewegung, Austoben, Fangen-Spielen oder was sonst geeignet ist, Konzentration auf zwei weitere Mathestunden zu ermöglichen, ist nicht zu denken.

Und das Raumproblem ist keines, das nur die RKS betrifft. Auch die Albert-Schweitzer- und die Leibnizschule haben die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Zukunftsgruppe der RKS fordert deshalb seit ca. eineinhalb Jahren den zügigen Neubau eines weiteren Gymnasiums. Die Stadt Frankfurt hat angesichts vergleichbarer Probleme auf Containerschulen gesetzt – mit Erfolg. Warum geht das nicht auch in Offenbach? Die Zukunftswerkstatt hat in zahlreichen Treffen mit Pädagogen – auch von Nachbarschulen –, Schülern und Eltern, versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten, zum Beispiel im Rahmen einer Podiumsdiskussion und bei Ausschusssitzungen des Stadtparlaments – bislang ohne Erfolg.

Die Belastungen aufgrund der falsch eingeschätzten Schülerzahlen seitens des Schuldezernates haben das Kollegium der RKS getragen und dennoch die hohe Qualität der pädagogischen Arbeit bewahrt. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein, werden diese Pläne umgesetzt. Wir hoffen, dass das Ergebnis des Stresstests vielleicht Augen öffnet?

In den 80ern sollte die RKS ein reines Oberstufengymnasium für die IGSn und Realschulen werden. Als sich herausstellte, dass die Schülerzahlen dann zu gering sind, um eine Oberstufe mit einem Angebot an Grund- und Leistungskursen, die diesen Namen auch verdient, zu organisieren, wurde eine zweizügige Mittelstufe ab Klasse 7 für die Übergänger*innen aus den Förderstufen eingeführt. Aber auch das reichte nicht. So betrieb die RKS die Einführung von zwei fünften Klassen und dem Angebot, Französisch als erste Fremdsprache zu wählen.

 




Quelle: rudolf-koch-schule.de
Druckdatum: 25.08.2019