>>

RKS – Schülerinnen und Schüler der Oberstufe haben zwei Stolpersteine finanziert

RKS-SchülerInnen unterstützen die Verlegung neuer Stolpersteine in Offenbach

Keiner von uns kannte bisher die jüdische Familie Sznizer, die in der Zeit des NS-Regimes einfach nur lebte und ihren normalen Alltag bewältigte – wie wir heute auch.

Leo und Lea Sznizer – beide aus den Gebieten stammend, die seit 1919 zu Polen gehörten, die mit ihren Familien in den Anfangsjahren des 20. Jhs ins Deutsche Reich auswanderten und nach Offenbach kamen – lernten sich in unserer Stadt kennen und lieben und gründeten 1926 eine Familie. 1927 und 1929 bekamen sie zwei Kinder – Jean und Gerda – soweit die normale Liebe- und Familiengeschichte, die kaum jemanden interessiert hätte.

Erst mit der Machtübertragung an Hitler 1933 veränderte sich deren Leben dramatisch: 1934 Ausgrenzung der jüdischen SchülerInnen aus den „arischen“ Schulen
1938 Brandanschlag auf die jüdische Synagoge – heute Capitol in der Goethestr. – und anschließende Deportation von ca. 80 jüdischen Gemeindemitgliedern in das KZ Buchenwald. Ein Jahr später wird auch Leo Sznizer dorthin deportiert und stirbt dort.

Lea und die beiden Kinder leben weiterhin in Offenbach, erleben die ersten Bomben und Luftangriffe auf Offenbach sowie Deportationen ihrer jüdischen Verwandten. Am 30.9.1942 werden sie mit vielen anderen jüdischen Mitbürgern gezwungen, sich zur Deportation bereit zu halten. Von Offenbach über Darmstadt nach Treblinka verläuft der letzte Abschnitt ihres Lebens, wo sie vernichtet werden.

An dieses Schicksal hat bei der Gedenkfeier der Geschichtswerkstatt Offenbach für 26 weitere Opfer des NS-Regimes der RKS-Abiturient Giulio Riccitiello stellvertretend für die Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe erinnert. Er betonte, dass die Behandlung des Themas in der Oberstufe alle Schüler und Schülerinnen bewegt habe und vor allem durch den Besuch der Zeitzeugin, Frau Edith Erbrich, die als 7-Jährige nach Theresienstadt deportiert wurde und bei uns darüber berichtet hatte, das Grauen fassbar geworden sei. Viele Schülerinnen und Schüler aus den Geschichtskursen der Oberstufe waren sofort bereit, für zwei Stolpersteine der Familie Sznizer zu spenden, weil aufgrund der persönlichen Ausführungen klar geworden war, was es heißt, Opfer eines Unrechtsregimes geworden zu sein.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – dieser Grundsatz ist tief im Gedankengut der heutigen Jugendlichen verankert. Mit den Stolpersteinen soll der Versuch gemacht, werden, an die damaligen jüdischen Mitbürger zu erinnern und sie wieder in unsere Mitte „zurückzuholen.“.

„Unsere“ Steine für Leo und Lea Sznizer liegen in der Taunusstr. 44.